Claude AnShin Thomas


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“Stumm bleiben ist eine Form von Selbstzerstörung. Wenn es uns gelingt, eine Sprache für unsere Gefühle zu schaffen, kann Heilung stattfinden. Wir besitzen die Fähigkeit, die Finsternis der Verleugnung zu durchbrechen. Wenn wir unsere Gefühle ins Bewusstsein holen, können sie unsere eigentliche Absicht nicht unterlaufen, mit liebender Güte zu handeln.“

1994 gründete Claude AnShin die Zaltho-Foundation zur Förderung von Verständigung, Frieden und Heilung von Wunden, die durch Gewalt und Krieg verursacht wurden. Claude AnShin versteht sich als Wander- und Bettelmönch und reist jährlich mehrere Monate insbesondere in den USA, Europa und Südamerika, hält Vorträge und Retreats (geplante spirituelle Ruhepausen oder Rückzug von der gewohnten Umgebung), leitet Pilgerwanderungen und Strassen-Retreats, besucht Schule, Krankenhäuser und Gefängnisse. Wenn er nicht reist, was selten der Fall ist, hält er sich im Magnolia Zen-Zentrum in Mary Esther, Florida, in den USA auf.Claude AnShin Thomas reist auf Einladungsbasis seit vielen Jahren nach Europa. Am 25.07. war ich abends mit Esther T. und FreundInnen in Brachenreuthe, wo Claude AnShin Thomas zu Gast war. Mit 17 Jahren meldete er sich freiwillig in die US-Armee und wurde bald darauf im Vietnamkrieg eingesetzt. Er diente von September 1966 bis November 1967 als Kommandant einer Hubschraubermannschaft. 1968 wurde er nach einer schweren Verwundung in Ehren aus der US-Armee entlassen und kehrte in die USA zurück „highly decorated“: Orden über Orden bis hin zum Purple Heart. Doch die Gesellschaft sah ihn nicht als Helden. „I wasn´t a Hero“, und er schaffte es nicht, sich wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Die unbewältigten Kriegserlebnisse führten ihn immer wieder in Schlaflosigkeit, Unruhe, Alkohol- und Drogenmissbrauch. Am 13. April 1983 nahm er 1000mg Barbiturate. „But I survived!“ Er überlebte. Er erwachte im Krankenhaus, 3 unbekannte Männer standen an seinem Bett. Einer fragte: „Würdest du es wieder tun?“ Claude AnShin Thomas sagte dann: „Ja. Es ist doch alles schlimm genug und unterträglich“. Der Mann sagte dann: „It could be worse!“. Es könnte schlechter sein. “Noch schlechter?”,dachte er. Das wollte er nicht. Das war für ihn der Schlüssel. Es könnte schlechter sein. Er verließ das Krankenhaus, kaufte sich zwar ein SixPack Bier und betrank sich, aber kurz darauf entschloß er sich, in eine Entzugsklinik zu gehen. Seither ist er clean und trocken. Der Beginn von Claude AnShins buddhistischem Weg fand 1991 in einerm Retreat für Vietnam Veteranen mit Thich Naht Hahn statt.** Er pilgerte 1994 von Auschwitz nach Vietnam. Am 6. August 1995, Hiroshima-Tag, wurde er von Roshi Bernard Tetsugen Glassman in Yonkers, NY, zum Zen buddhistischen Mönch* ordiniert. Auf die Frage eines Anwesenden an diesem Abend in Brachenreuthe, ob er sich denn daran erinnere, wie er im Krieg Menschen tötete, sagte er: „Ja ich erinnere mich sogar an jedes Gesicht.“ Und er sagte: “Es ist gut so, um sich bewußt zu machen, es nie wieder zu tun.” „Those who cannot remember the past, are condamned to repeat it.“.

Buchempfehlung:  Claude AnShin Thomas: “Am Tor zur Hölle – Der Weg eines Soldaten zum Zen Mönch.” Theseus Verlag, 2004 und 2008.

Daniela S.

* Bernard Tetsugen Glassman, auch bekannt als Bernie Glassman, ist ein Amerikanischer Zen Buddhistischer Laien Lehrer, der Mitbegründer des Amerikanischen Zen Peacemaker Ordnes ist. Glassman war ursprünglich der Nachfolger des Japanischen Zen Meisters Taizan Maezumi Roshi.