Runter von der Couch, rein ins Leben


Zeichnung: Carsten Weigelt

hellblau_punktNach meiner Zeit in der Kreativgruppe des GpZ, die mir aufgrund meiner in diese Richtung gehenden Hobbies leichtfiel, hatte ich eine eher unsanfte Landung in der Wäschereiabteilung. Die anfängliche monotone Tätigkeit des Handtuchlegens schien mir zu Beginn fast unannehmbar und es dauerte länger, bis ich die Situation akzeptieren konnte. Nur da mir bewusst war, dass Struktur und Rhythmus mir guttun, ich auch nicht als „Couch-Potato“ enden wollte, hielt ich durch. Es war mir auch wichtig, meinem Sohn ein Vorbild zu sein, denn Jugendliche lernen ja viel durch Nachahmung. Frau Waedt, Leiterin der Wäscherei und Frau Techel, ihre Stellvertreterin, schaffen durch ihre Lebenserfahrung, Kompetenz und Geduld eine gute Atmosphäre. Diese machte es mir möglich, Konzentration, Sorgfalt und Dranbleiben wieder zu lernen. Ein weiterer wichtiger Punkt bei der Arbeit war auch, dass ich aus meinen Gedanken7
| Runter von der Couchschleifen herauskam, die mich in akuten Phasen doch sehr geplagt haben. Die Arbeit bringt mich mehr in Fluss und in Kontakt zu mir und meinen Mitmenschen. Personen, zu denen ich anfänglich auf Grund ihrer politischen Meinung oder Eigenheiten keinen Zugang hatte, kann ich jetzt besser akzeptieren und sehe eher das Verbindende.
Ein Großteil der Wäsche, die bei uns gewaschen wird, kommt aus verschiedenen Überlinger Alten- und Pflegeheimen, und es fühlt sich für mich gut an, auch mal die Gebende zu sein und nicht immer nur in der Rolle der Patientin/Klientin zu leben.

Es ist eine Arbeit, die gebraucht wird und ich kann mir vorstellen, dass die alten und kranken Menschen froh sind über die frische Wäsche. Wenn ich morgens mit dem Großteil meiner Mitmenschen zur Arbeit aufbreche, fühle ich mich als Teil eines sozialen Gefüges und nicht wie in schlechten Phasen als irgendwie draußen. Das gibt mir mehr Selbstvertrauen und einen anderen Stand in meinem sonstigen sozialen Umfeld. Klar, an manchen Tagen kommt mir der Sinn abhanden und ich bin froh, im Extremfall mal einen Tag freinehmen zu können. Ich schätze es auch sehr, die Möglichkeit eines Praktikums wahrnehmen zu können, um zu sehen, wo ich stehe und um ein bisschen frischen Wind zu schnuppern. Primär muss ich natürlich akzeptieren, dass ich momentan nicht in der Lagen bin auf dem ersten Arbeitsmarkt zu arbeiten und dass die finanzielle Anerkennung für die Arbeit in der Wäscherei in Form des Werkstattlohns relativ mager ausfällt, aber wenn ich fünf Jahre zurückdenke, hat es sich gelohnt dranzubleiben. Ich habe im inneren und äußeren Bereich viele Schritte gemacht und fühle mich dadurch zufriedener. Mir fällt auch der Vergleich mit dem halbvollen Glas ein: Sehe ich es als halbvoll oder als halbleer – das hängt alleine von meiner inneren Haltung und Einstellung ab. Ich sehe es inzwischen meistens als halbvoll. Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich dankbar bin, dass es das GpZ gibt. Ich empfinde die Arbeitsmöglichkeiten und unterschiedlichen Maßnahmen in meiner Lebenssituation als eine gelungenes Angebot.
hellblau_punktGabi Fischer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte gebe die Sicherheitsabfrage ein *