Freud und Leid


Als Psychosebetroffene kenne ich natürlich die Schaukel zwischen Freud und Leid, himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt sehr gut. Ich versuche damit bewusst umzugehen, in dem ich aufmerksam bin und meine Stimmungen,
Emotionen und Gedanken wahrnehme. Wir leben in einer Konsumgesellschaft, in der Kaufen und Besitz als Grund zur ewigen Freude und als Lebenssinn dargestellt wird. Ich merke bei mir jedoch immer wieder, wie schnell der erste Kick vergeht und die nächste CD oder was auch immer dran wäre. Wenn ich mich dann noch mit anderen
vergleiche, sieht es mit den freudigen Gefühlen eher mager aus.
Ich finde es daher hilfreich, mich erst einmal an dem zu freuen, was ich bereits in meinem Leben besitze und auch, was ich mir innerlich erarbeitet habe. Dadurch entsteht Dankbarkeit, die auch ein Boden für Freude ist. Neulich habe ich wieder eine Aufzählung gelesen, wie viele Menschen hungern, kein Dach über dem Kopf haben oder die nächste Nacht nicht überleben. Das hat mich betroffen gemacht und in Bezug auf vieles meine Blickrichtung geändert.
Mir ist auch mal wieder klar geworden, wie schnell sich alles ändern kann und dass nichts selbstverständlich ist. So versuche ich, mich mit aufbauenden Themen wie Natur, Musik, Meditation und Ähnlichem zu beschäftigen. Ich glaube, das hilft mir, mich von den äußeren ups and downs nicht
mehr so schnell aus dem Gleichgewicht bringen zu lassen. Ich erlebe, dass ich selber etwas für meine Freude tun kann und auch nicht andere dafür verantwortlich machen muss. Mit zunehmendem Alter habe ich gemerkt, dass Leid in gewissem Maße hilfreich sein kann, mehr zu sehen, was eigentlich
wirklich wichtig ist und zählt. Da fällt bei mir doch einiges Unnötiges und Oberflächliches weg und es bleibt, finde ich, ein angenehmes Gefühl von Einfachheit und Sinnhaftigkeit.
GF

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