Café terrible


hellblau_punktIch bin zu einem Kaffeekränzchen meiner Eltern eingeladen. Dort sitzen auch Menschen, die ich kenne und die mich schon seit Jahrzehnten kennen. Und doch bin ich verunsichert. Ich fühle mich nicht wohl, dort am Tisch. Wie sie reden bin ich irgendwie dabei und doch außen vor. Denn so richtig integriert bin ich nicht. Ich rede nicht viel, an jenem Tag, fühle mich unwohl und irgendwie stoße ich auf Barrieren. Barrieren, die mich fernhalten von den Gesprächen und Themen, die diskutiert werden. Es wird gelacht und mit jeder Bemerkung fühle ich mich schlechter. Ich wäre lieber weit weg. Mir ist klar, dass alle wissen, dass ich mehrere Male psychisch erkrankt war. Im Grunde sind alle aufgeschlossen, tolerant meinen Krankheitsphasen gegenüber und doch gelingt es mir nicht, mich einzufinden. Nicht immer. Manchmal nicht. Diesmal nicht. Kuchen wird verspeist und Kaffee getrunken. Mit jedem Stück Kuchen fühle ich mich unwohler. Nicht weil er zu mächtig wäre oder mir nicht schmeckt, vielmehr kann ich nicht vermeiden, dass ich in mich selbst absinke. Heute ist es akut. Geschirr klappert. Ich sitze in der Mitte von Menschen und ich wünsche mich zurück in Zeiten, da ich bei solchen Treffen dabei war und nicht außen vor. Nicht verunsichert. Heute fehlte mir psychisch die Frische. Ich verlasse die Runde und lege mich auf das Sofa. Ich schließe die Augen und träume von einem Leben, das aus Gelingen, Freude

und Zuversicht gemacht ist. Ich denke an mein altes Leben zurück, als Kommunikation noch funktionierte. Als ich mit Menschen sprechen und mich mit dem Gegenüber austauschten konnte ohne etwas zu befürchten. Gesund und kräftig. Zuversichtlich und sicher. Zwischen gelähmten Synapsen und nur minimal, aber doch sediert von den Psychopillen, die ich nehme, wohl wissend, dass sie bei mir akute mentale Krisen verhindern. Ich stehe jedenfalls vor Barrieren. In meinem Kopf, als auch in dem der Anwesenden. Barrieren zwischen uns. Denn die Anderen sind unabhängig von Bildungsstand und Intelligenz, auch verunsichert. Wie sollen sie mir begegnen? Dies alles passiert manchmal, viel zu oft, und ist eine Schattenseite meines Lebens, das so schlecht nicht ist. Oft bin ich in diesem Zusammenhang allein, weil ich mich zurückziehe. Immer mal wieder auch dabei, weil ich mich gut unterhalte. Und dann doch schlecht integriert zuweilen. Ich weiß, dass alles gut wird. Wären da nicht diese Momente, die mich verunsichern, mich beunruhigen und dann doch misslich stimmen. Vielleicht sind sie ein Zeichen meines mentalen Gesamtzustandes. Wie der Ausschlag in den roten Bereich eines Messinstrumentes zu „Gesundheit und Psyche“. Ich hoffe nicht. Diese hässliche Stille ist unangenehm. Sie geht vorüber. Auch wenn ich weiß: Jedes Mal, da ich ihr begegne, ist ein Mal zu viel!
hellblau_punkt CW

Weigelt

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