Anleitung zum Leben mit Psychose


■ Ich spreche hier von mir und meinem Leben. Es soll ein Erfahrungsbericht sein, wie ich es schaffe mit meiner Psychose zu leben. Es soll kein Text sein, der sagt, was jemand tun soll, muss oder darf. Es ist meine Geschichte; wie ich es schaffe mit meiner Anleitung durch das Leben zu kommen. Was nicht immer einfach ist, denn es ist ein Leben am Rand des Lebens. Ich bin dem Tod oft näher als dem Leben, weil es so schwer für mich ist. Ein Arzt sagte mal zu mir, ich könne stolz auf mich sein. Dass ich jeden Morgen aufstehe und versuche den Tag zu meistern, das sei für einen gesunden Menschen wie eine Bergbesteigung! Und ich besteige tatsächlich jeden Tag einen 8000er.
Aber ich schaffe es zu überleben. Weil ich auf mich achte, aufpasse und nicht aufhöre die Medikamente zu nehmen. Deshalb kann ich auch ein Leben ohne dauerhaften Klinikaufenthalt schaffen und vor allen Dingen kann ich am Leben bleiben! Aus meiner Erfahrung heraus ist es wichtig, ganz bei sich zu sein! Und sich selbst sehr gut kennenzulernen, damit man weiß wo man sich befindet. Habe ich gerade Symptome? Wenn ja, warum? Wie kann ich gegensteuern, damit ich wieder im Leben bin und und mich nicht in meiner eigenen kranken Fiktion verliere? Was muss ich machen in dieser Situation, vor allem, wann muss ich handeln? In den letzten zwei bis drei Monaten habe ich ein Medikament wegen den Nebenwirkungen reduziert. Mit meiner Ärztin zusammen. Das mache ich nicht in Eigenregie, das wäre zu gefährlich.

Wenn ich psychotisch werde und nicht klarkomme, oder es Wochenende ist, habe ich ein Bedarfsmedikament, ein Beruhigungsmittel verordnet be-kommen, das ich dann nehmen kann. Aber wenn das Psychotische nicht verschwindet und es immer belastender wird und ich alleine nicht mehr klar komme, versuche ich so schnell wie möglich meine Ärztin zu erreichen, die mir dann sagt, ob und mit welchem Medikament ich höher gehen muss, damit die Krise gebannt ist! Das ist sehr wichtig! Denn nur so kann eine akute Psychose verhindert werden! Schlussendlich habe ich es geschafft, 50 mg weniger ein-zunehmen. Anfangs, nach 25 mg weniger, hatte ich wieder Beziehungsideen, Stimmen und auch Wahn. Aber ich bin dran geblieben. Meine Ärztin meinte, mein Gehirn reagiere und müsse sich jetzt daran gewöhnen, dass weniger von dem Neuroleptika ankommt. Und tatsächlich war es so, wir haben weiter ge-macht und sind dann nochmal 25 mg runter gegangen. Jetzt fühle ich mich tatsächlich besser, nicht mehr so ruhiggestellt und im Nebel. Viel wacher und einfach offener, glücklicher. Ich hoffe, das bleibt so. Denn ich habe sehr darauf geachtet, nicht mehr viel zu machen neben Arbeit und Haushalt. Damit es gut wird. Langsam versuche ich jetzt, wieder rauszugehen und auch nach Feierabend noch etwas zu unternehmen. Ich gehe auch wieder zu den Pferden, was mir sehr gut tut und mich aufbaut. Bis jetzt ist es gut! Mal schauen wie es weitergeht… ich bleibe auf jeden Fall dran und gebe nicht auf!

■ cms

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